Soziale Konflikte

Die peruanische Gesellschaft ist von ständigen sozialen Konflikten mehr oder weniger großer Intensität belastet. Die Gründe liegen in der großen sozialen Kluft zwischen Reich und Arm, der Missachtung der territorialen und kulturellen Rechte der indigenen Bevölkerung und einem großen Ausmaß umweltzerstörerischer oder -gefährdender wirtschaftlicher Aktivitäten der exportorientierten peruanischen Ökonomie. So gehen von den gegenwärtig etwa 200 registrierten sozialen Konflikten die Mehrzahl auf die Auswirkungen der Bergbauindustrie bei der Gewinnung von Gold und Kupfer, der industrialisierten Landwirtschaft, der Fischmehlindustrie und Eingriffe in die amazonischen Waldgebiete Perus zurück. Daneben ist Gewalt gegen Frauen ein weitverbreitetes Problem, das die peruanische Gesellschaft immer wieder erschüttert.

 

Am 13. August 2016 fand in Lima unter dem Motto "Ni Una Menos" eine weltweit beachtete Großdemonstration gegen das weitverbreitete Problem der Gewalt gegen Frauen statt.Rund 50.000 Menschen haben daran teilgenommen.Einem WHO-Bericht aus dem Jahr 2013 zufolge rangiert Peru auf Platz drei der Länder mit der höchsten Zahl von weiblichen Opfern sexueller Gewalt durch ihre Partner. Umfragen zufolge halten 74 Prozent der Einwohner Limas die Gesellschaft für frauenfeindlich.
Ni Una Menos, Lima 13.August 2016.pdf
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Die peruanische Bäuerin Máxima Acuña erhielt den Goldman Umwelt-Preis

 

Die Bäuerin aus Cajamarca hat dem transnationalen Bergbauunternehmen

Yanacocha die Stirn geboten und wurde dafür in den Vereinigten Staaten ausgezeichnet.

 

 

Die aus Cajamarca stammende Bäuerin Máxima Acuña, Gegenerin der transnational betriebenen Goldmine Yanacocha des Projektes Conga, empfing am 18. April 2016 in den Vereinigten Staaten den Goldman-Preis, die weltweit höchste Anerkennung für eine Umweltaktivistin.

 

„Der Preis erkennt die oft unter großem persönlichen Risiko erbrachten nachhaltigen und bedeutenden Anstrengungen von Menschen zum Schutze und zur Verbesserung der natürlichen Umwelt an“, erklärt man auf der Web-Seite der Goldman-Stiftung.“Durch die Auszeichnung dieser einzelnen Aktivisten und Aktivistinnen versucht der Preis, andere gewöhnliche Menschen anzuregen, zum Schutze der natürlichen Welt außergewöhnliche Mittel zu ergreifen“ fügt man hinzu.

 

Seit Jahren beklagt Acuña, dass Polizei und Sicherheitskräfte des Minenunternehmens in den Besitz, der ein Gebiet gegenüber des Bergsees Laguna Azul, nahe des Projektes Conga, umfasst, eingreifen.„ Ich bin Eigentümerin des Gebiets Tragadero Grande und Las Posadas, gegenüber der Laguna Azul. Aber von einem Augenblick auf den anderen behauptete das Unternehmen Yanacocha, ich hätte das Gebiet verkauft, und das ist eine Lüge“, erklärte Máxima 2013 gegenüber dem Nachrichten-Medium La Mula.pe

 

Das Minenunternehmen zeigte sie wegen des angeblich begangenen Deliktes der widerrechtlichen Aneignung von Grund und Boden an, aber Ende des Jahres 2014, in einer Art Schlacht David gegen Goliath, gewann die Bäuerin aus Cajamarca einen Prozess, in dem sie für unschuldig erklärte wurde. Bis zum vergangenen Februar beklagte sich Acuña fortgesetzt über Verfolgung und Belästigung. Was zuletzt geschah war die Zerstörung ihrer Kartoffelfelder, das man ihren Hund verletzte und ihren Sohn bedrohte.

 

Der Goldman-Preis hat das „originäre Ziel, jährlich die Umwelt-Helden aus den Bevölkerungen der sechs bewohnten kontinentalen Regionen zu ehren: Afrika, Asien, Europa , der Inseln und ihrer Bewohner, Nordamerika, Süd- und Mittelamerika“. Die Stiftung erläutert genauer, dass jeder Gewinner einen mit 175.000 US-Dollar ausgestatteten Preis erhalten wird, die weltweit wichtigste Auszeichnung für Umweltaktivisten von der Basis.

 

Neben Máxima Acuña sind die weiteren Empfänger des Preises: Zusana Caputova (Slowakei-Europa), Leng Ouch (Kambodscha-Asien), Luis Jorge Rivera Herrera (Puerto Rico-Inseln und ihre Bewohner) und Edward Loure (Tansania-Afrika).

 

Quelle: La Mula.pe

Hier erfährt man in Reportagen auch mehr über Máxima Acuña

 

Übersetzung: Herbert Löhr, 23.04.2016

Für die Beobachtung sozialer Konflikte und  ggf. notwendiger Interventionen kennt das peruanische Staatswesen die Einrichtung der DEFENSORIA DEL PUEBLO, die eine in der peruanischen Verfassung seit 1993 verankerte und unabhängige staatliche Institution ist, die ihrem Wesen nach der Position eines Ombudsmannes entspricht. Die Defensoria soll die Gewährung der bürgerlichen Grundrechte,die gesetzeskonforme Ausübung der Pflichten staatlicher Verwaltungen und die Erfüllung öffentlicher Dienstleistungen überwachen. Gleichzeitig übt die Defensoria die Funktion einer Beschwerdestelle  für die Bürger aus. 

 

www.defensoria.gob.pe/

 

La Republica.pe

 

Die namenlosen Toten und die Grenzen der peruanischen Demokratie

 

Steven Levitsky, 10. Juni 2012-

 

 

Es ist beklagenswert, eine Regierung mit autoritären Reflexen zu haben. Die Repression der vergangenen Woche, die zwei Tote, einige Festgenommene, einen in Haft genommenen Bürgermeister und einen regionalen Regierungschef auf dem Weg ins Gefängnis hinterließ, ist ein harter Schlag für die Demokratie. Aber es ist noch schlimmer, wenn ein Teil der Gesellschaft die Repression akzeptiert und dazu noch Beifall spendet. Angesichts der Tragödie von Espinar erklärte die Kongressabgeordnete Lourdes Alcorta „ man wird Tote haben“, als sei dies etwas Unvermeidliches und gar Notwendiges. Und die Tageszeitungen Correo und Peru 21 verbreiteten, dass die Demonstranten „ihre“ Toten bekommen hätten.

 

Diese Art von Reaktion sieht man nicht in vielen Demokratien. Man denke an Argentinien, ein Land, das mit all seinen Problemen, seit 30 Jahren eine völlige Demokratie unterhält. Argentinien hat mehrere Protestwellen erlebt: die 13 Generalstreiks gegen die Regierung Alfonsin, die Plünderungen von 1989, die Unruhen der 90er Jahre und die soziale Explosion zwischen 2001 und 2002, die gekennzeichnet waren von einer landesweiten Plünderungswelle und Straßensperren. Zwischen Dezember 2001 und März 2002 bestand Argentinien aus einem Chaos von Straßen- und Gebäudeblockaden, Plünderungen und Protesten, welche den Sturz der Regierung forderten. Es geschahen Brandstiftungen, Plünderungen von Supermärkten und andere Gewaltakte. Beteiligt waren Tausende der Ultralinken, die versuchten, einen Aufstand anzustiften.

 

Aber in den schlimmsten Augenblicken blieb in Argentinien Gewalttätigkeit von staatlicher Seite inakzeptabel. Die Regierungen hätten keine Protestierer töten können, hätten sie es getan, wären sie gestürzt. Im Dezember 2001 erklärte Präsident Fernando De la Rúa den Belagerungszustand und die polizeiliche Repression auf der Plaza de Mayo endete mit fünf Toten. Am nächsten Tag musste De la Rúa zurücktreten. Und als im Juni 2002 zwei Manifestanten getötet wurden, musste der Interimspräsident Eduardo Duhalde seine Mandatsperiode abkürzen.

 

Warum können die argentinischen Regierungen nicht wie die peruanischen töten?

 

Erstens, weil in Argentinien die Menschenrechte besser verwurzelt sind. Die Erfahrung mit der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 hat dort die Gesellschaft tief verändert und einen weitgehenden Konsens über Menschen- und Bürgerrechte hervorgebracht. Die Menschenrechte und deren Verteidiger wurden nicht mehr als „Torheit “angesehen.

 

Zweitens gibt es in Argentinien ein Mindestmaß an sozialer Gleichheit. Dort ist die Vorstellung ausreichend verbreitet, dass alle - die Hauptstädter und Provinzbewohner, Unternehmer und Arbeiter, die Reichen und ihre Hausangestellten - der gleichen Gesellschaft angehören. Alle sind Bürger mit dem gleichen Recht, vom Staat mit Respekt und Würde behandelt zu werden. Dies hat zur Folge, dass die Argentinier zu reagieren pflegen, wenn eine Regierung für den Tod eines Straßenblockierers oder Manifestanten verantwortlich ist. Sie reagieren, weil sei die Opfer staatlicher Gewalt als ihresgleichen sehen, mit vollem Namen. Als 2002 zwei Straßenblockierer (arg. Piqueteros) getötet wurden – ihre Namen waren Dario Santillán und Maximiliano Konteki – waren sie im ganzen Land bekannt. Ihre Namen wurden immer wieder in den Medien und auf der Straße genannt.

 

Wer kennt die Namen der Toten von Espinar?

 

In den Medien tauchen sie nicht auf. Namenlos, scheinen die Toten von Espinar sehr weit weg und weniger Mensch zu sein. Ohne ihre Namen zu kennen, ist es sehr einfach Rudecindo Puma und Walter Sencia als „ihre“ Toten zu behandeln und nicht als die Toten aller Peruaner. Eine Elite, die arme Leute und Provinzbewohner nicht als ihresgleichen und gleichwertige Bürger ansieht, ist eher bereit hinzunehmen, „dass es Tote geben wird.“

 

Nach Meinung des Kolumnisten Aldo Mariátegui befindet sich Peru am Scheideweg zwischen Zivilisation und Dritter Welt. Das kann sein. In einer zivilisierten Gesellschaft unterscheidet man nicht zwischen „ihren Toten“ und „unseren Toten“, und es gibt keine Bürger, deren Leben weniger wert ist. Wer kann mehr unterentwickelt sein als derjenige der glaubt, dass arme Leute und Menschen aus der Provinz geringwertig, unwissend und leicht zu manipulieren wären? (Wir Gringos haben hinreichend Erfahrung mit dieser Krankheit: der Rassismus untergrub unsere Demokratie zwei Jahrhunderte lang).

 

Peru zu regieren ist schwierig. In einer Demokratie wie der peruanischen, mit einem schwachen Staat, harten Kernbereichen der Armut und einer gewaltigen Ungleichheit, wird es immer soziale Konflikte geben. Und wenn man auch Napalm einsetzen würde, wie es sich Aldo Mariátegui wünscht, so wird es doch immer radikale Aktivisten, Agitatoren und Opportunisten mit politischen Interessen geben. Auch wird es Augenblicke des Chaos geben: Streiks, gewalttätige Proteste und soziale Explosionen.

 

Wie darauf antworten, vor allen Dingen dann, wenn der Dialog nicht funktioniert?

 

Auf die Manifestanten zu schießen, ist in einer wahren Demokratie keine legitime Option. Die Antwort vieler demokratischer Regierungen schließt zwei Strategien ein. Eine heißt: Geduld, denn manches Mal ist die beste Antwort, ein wenig abzuwarten und das Gewitter vorbeiziehen zu lassen. Das bedeutet, ein gewisses Maß an sozialer Unordnung zu tolerieren, eine Haltung, welche die Liberalen von der konservativen Rechten trennt. Die Liberalen sind entsetzt angesichts staatlicher Gewalttätigkeit gegen Bürger und sind bereit, ein bestimmtes Maß an Unordnung hinzunehmen, um diese Gewalt zu verhindern, während die Konservativen sich über soziale Unordnung entsetzen und gewillt sind, ein gewisses Maß an Gewalt gegen Bürger zu dulden, um diese Unordnung zu verhindern.

 

Die andere Strategie ist die Kooptation. Was unternahmen die peronistischen Regierungen in Argentinien, um die Straßenblockierer zu demobilisieren? Sie kauften sie mit Annehmlichkeiten und öffentlichen Posten. Die Kooptation ist kein ideales Rezept. Aber sie ist eine politische Antwort, die es erlaubt, demokratisch zu regieren.

 

Wir befinden uns nicht im Jahre 1990. Es herrscht kein Krieg in Peru. Es gibt nicht einmal eine Krise. Die Protestierer in Cajamarca oder in Espinar mögen Radikale, Bergbaugegner und Opportunisten sein, aber sie sind keine Terroristen! Und sie stellen keine Bedrohung für den Staat oder die Demokratie dar. Gegen den Bergbau zu protestieren ist kein Umsturzversuch, sondern ist ein Verfassungsrecht. Wir mögen nicht einverstanden sein mit den Zielen der Manifestanten, aber wenn wir ihr Recht zu protestieren nicht verteidigen, gerät die Demokratie in Gefahr.

 

Keine peruanische Demokratie hat mehr als 12 Jahre gedauert. Die jetzige hat schon 11 Jahre. Aber wenn die Regierung weiterhin nicht zwischen Protest und Umsturz unterscheidet, wenn ein Teil der Elite fort fährt, auf die Notwendigkeit von Toten zu dringen, und wenn die Toten namenlos bleiben, dann bleibt auch die Demokratie in einer kritischen Lage.

 

 

 

Quelle: http://www.larepublica.pe/columnistas/aproximaciones/los muertos-sin-nombres-y-los-limites-de-la democracia-peruana-09-06-2012

 

Übersetzung: Herbert Löhr

                     Peru- AK im Aktionszentrum

                     Arme Welt e.V. ,Tübingen



Conga



Am 30.09.2012 wurde im ARD Weltspiegel unter dem Titel

"Gold macht nicht satt"eine sehenswerte Reportage

über das Minenprojekt Conga gesendet.

www.ardmediathek.de/das-erste/peru-gold-macht-nicht-satt

Dieses Dokument enthält eine Erklärung von GRUFIDES,

der Gruppe zur Bildung und Intervention für nachhaltige

Entwicklung Cajamarca, bezüglich des Goldminen-Projekts

Conga.

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Willkür und gewalttätige Festnahme

 

Das nachstehend Video dokumentiert die willkürliche und gewalttätige Festnahme von Marco Arana am 4.Juli in Cajamarca. Der ehemalige Priester Marco Arana kämpft seit Jahren an der Seite des Teils der Bevölkerung, die in den Bergbaugebieten unter den rücksichtslosen  und umweltzerstörerischen Aktivitäten der Minenbetriebe, der Gleichgültigkeit und Parteinahme für die Bergbauunternehmen seitens der Regierungen und staatlicher Behörden leidet.

 

Am 5. Juli ist Marco Arana freigelassen worden. Er ist in der Polizeistation mehrmals geschlagen worden.

Ein Brief aus Cajamarca.pdf
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La Republica.pe


Hochmut und Habsucht der Bergbauunternehmen

Javier Diez Canseco, 02. Juli 2012-

 

Die „Besitzer Perus“ dulden weder Flöhe noch „Respektlosigkeiten“. So ließ es Roque Benavides, Kopf des Bergbauunternehmens Buenaventura, Gesellschafter der Mine Yanacocha und des Projektes Conga, den Präsidenten der Republik höchstpersönlich wissen.

Während Präsident Humala ankündigte, das Rezept zu haben, das mit der Neufestlegung der Bedingungen den Kurs zur Durchführung des Projektes Conga vorgeben würde: keine Nutzung der zwei höchstgelegen Bergseen als Gesteinsschlammdeponien, die Schaffung von 10.000 direkten Arbeitsplätzen, die Vervierfachung der Verfügbarkeit von Wasser durch Reservoirs und die Garantie für einen Entwicklungsfond für Cajamarca (Typ Abkommen Marco de Espinar-Tintaya), ließen in Presseinterviews Benavides und der Manager des Projektes den Staatschef im Regen stehen.

Für das Unternehmen „gibt es nichts miteinander zu besprechen“. „Das Problem besteht zwischen der Regionalregierung und der Staatsregierung“, denn da gibt eine vom Gesetz gebilligte Studie über die Umweltauswirkungen (Welches Gesetz billigte diese Studie?). Peru, die Nation, hat die Studie gebilligt.“ (War Peru darüber unterrichtet, oder bestimmen hier alleine seine Freunde im Ministerium für Energie und Bergbau?) „Die Genehmigungen beantragt man bei der Nationalregierung und damit haben wir unseren Teil erfüllt.“ Das Gutachten geschickt umgehend, gab Benavides keine Garantie ab, die Bergseen zu erhalten: „ Ich sage nicht, dass man die beiden Bergseen auf keinen Fall beeinträchtigen wird“.

Es wird weniger als 10.000 direkte Arbeitsplätze geben, außer in der Vorbereitung des Tagebaus, verkündete der Projektmanager von Conga. Über den Sozialfond, seinen finanziellen Umfang, seine Handhabung und Dauer…NICHTS! Er erwähnte lediglich, dass man zuerst die Wasserreservoirs bauen könnte und danach die Mine. Er machte klar, dass es keinerlei schriftlich niedergelegte Verpflichtungen gibt. Und er drohte, dass sein Gesellschafter, „Newmont als Körperschaft mit Sicherheit alle entsprechenden gesetzlichen Mittel in Anspruch nehmen wird…“ Aber man diskutiert über Brosamen: das mit dem Wasser wird 20 Millionen US-Dollar kosten…bei einer Investitionssumme von fast 4,8 Milliarden US-Dollar.

Der Manager bestritt, sich mit dem Präsidenten getroffen zu haben und fügte hinzu: „ Wenn die Funktionäre der Geschäftsführung gesprochen haben oder nicht, so ist dies ein anderes Thema“. Jeder an seinem Platz, nicht wahr, Roque? Ein Schlag ins Gesicht! Welcher Hochmut und welche Selbstsicherheit, Humala schon unterworfen zu haben, und dass dieser die in seiner politischen Marschroute vereinbarte Steuer auf die Zusatzgewinne der Bergbauunternehmen schon zurückziehen wird!

Buenaventura erzielt enorme Gewinne, obwohl das Unternehmen erklärt, dass diese mit der Mine Conga nur 10% betragen werden. Besser würden sie ihr Geld fest in einer Gemeindekasse anlegen! Andere große Projekte haben ihre auf 30 Jahre angelegte Investition in kaum vier Jahren herausgewirtschaftet. Erinnern wir uns, dass Buenaventura Gesellschafterin der Mine Yanacocha ist, die zwischen 1993 und 2010 Erträge in Höhe von 17,81 Milliarden US-Dollar hatte, aus dem ein Nettogewinn von 5,61 Milliarden US-Dollar verblieb, das entspricht 31,5% des Gesamtertrages. 10% Gewinn ???

Außerhalb dieser Gewinne zahlt Yanacocha auf den Wert der Produktion an Buenaventura eine Lizenzgebühr von 3% und macht diese als Ausgaben geltend, ohne dafür Ertragssteuern zu bezahlen. Zwischen 1993 und 2010 zahlte Yanacocha 523 Millionen US-Dollar Lizenzgebühren an Buenaventura und vermied hierfür die Zahlung von 150 Millionen Ertragssteuern. Und Newmont erhält für jede Unze gewonnenen Goldes eine Vergütung von 2 US-Dollar. Das summierte sich zwischen 1993 und 2010 auf 63,5 Millionen US-Dollar, ohne Zahlung von Steuern auf diese Summe und neben den Gewinnen.

Buenaventura ist ein Schmuckstück: zwischen 2004 und 2011 hat dieses Unternehmen Einkünfte von insgesamt 4,425 Milliarden US-Dollar erzielt, hat aber hierfür nur 2,9% Ertragssteuer auf den Wert des verkauften Goldes bezahlt. Ist dies der große Beitrag des Unternehmens für die nationale Entwicklung?

Entsprechend seines Finanzstatus hat das Unternehmen nicht nur einen winzigen Betrag an Steuern für seine Erträge bezahlt, sondern 2007 und 2008 überhaupt nichts bezahlt und 2005 bis 2006 lediglich 0,35% und 2,31% auf die gesamten Gewinne des Unternehmens an Steuern abgeführt.

Obendrein hat Buenaventura seinen führenden Angestellten zwischen 2004 und 2011 die Summe von 114 Millionen US-Dollar als zusätzliche Vergütung zu ihren üppigen Gehältern geschenkt. Dies entspricht fast dem gleichen Betrag der gezahlten Ertragssteuer: 128,5 Millionen US-Dollar. Wir, die 30 Millionen Peruaner, haben für unser Land eine Steuer erhalten, die annähernd dem Betrag entspricht, den die 426 höchsten Angestellten von Buenaventura bekommen haben. Geht man so mit den Reichtümern des Landes um?

Roque Benavides sagt, dass es „in Peru den besten, saubersten und verantwortungsvollsten Bergbau der Welt gibt“. Glauben Sie das? Wird sich das Projekt Conga zur Bekämpfung sozialer Probleme und in der Umweltproblematik in den ärmsten ländlichen Gebieten mit seinem steuerlichen Beitrag für das Land wie sein „guter Vater“ Buenaventura verhalten?

Es ist dringend notwendig, die Steuergesetzgebung für den Bergbau zu verändern, damit dieser Sektor zur Entwicklung des Landes beiträgt, die Umwelt bewahrt und mittels der Beratung mit der Bevölkerung des Landes auf die soziale Zustimmung zählen kann. Jedes Ding an seinem Ort!

 

Quelle:http://www.larepublica.pe/columnistas/contracorriente/soberbia-y-avaricia-minera-04-07-012

 


Übersetzung: Herbert Löhr,   04.07.2012

                     Peru- AK im Aktionszentrum

                     Arme Welt e.V., Tübingen

 



Carta abierta...
Offener Brief von Prof. Pedro Arrojo Agudo, Zaragossa, Spanien an den peruanischen Präsidenten.
Conga.carta.pdf
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Hier die deutsche Übersetzung des vorstehenden Briefes
Offener Brief an die Regierung von Perú.[...]
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Verfolgung der Gegner des Minenprojektes Conga

6.,7 und 8. Person von links: Gregorio Santos, Wilfredo Saavedra, Marco Arana

Presseerklärung der Nationalen Koordination für Menschenrechte CNDDH
Presseerklärung der Nationalen Koordinat[...]
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Erfolgreicher Marsch für Wasser

PERÚ

Erfolgreicher Marsch für Wasser

16.02.2012

 

 


Hunderte von Menschen marschierten mehr als 800 km, um von der Regierung zu fordern, Wasser zu einem Menschenrecht zu erklären.


„Ein gerechteres, brüderlicheres und solidarischeres Land hat sich in Marsch gesetzt. Die Verteidigung des Wassers und der Mutter Erde beflügelt uns, ruft uns zusammen und eint uns“, bringt die Erklärung des Großen Nationalen Marsches für das Recht auf Wasser und das Leben zum Ausdruck, eine Aktion, die hunderte von Menschen in Bewegung brachte, die von dem nordperuanischen Departement Cajamarca, Mittelpunkt eines umstrittenen Minenprojektes, 800 Kilometer weit, bis in die Hauptstadt Lima, marschierten.


Der ehemalige Priester Marco Arana, Anführer der Bewegung „Erde und Freiheit“ und einer der Initiatoren des Marsches den man zwischen dem 1. und 10. Februar durchführte, erklärte in einem Interview mit der Tageszeitung „La Republica“, dass die Ziele des Marsches darin bestünden, Gesetzesvorschläge zu präsentieren, die eine Verfassungsänderung einschlössen, mit der Wasser zu einem Menschenrecht erklärt würde, Bergbau in Wassereinzugsgebieten und im Bereich der Gletscher, sowie der Einsatz von Quecksilber und Zyanid in den bergbaulichen Prozessen, insbesondere bei der Goldgewinnung, verboten würden.


„Der Staat muss den Zugang zu Wasser für alle seine Bürger garantieren“, erklärte Arana.


In Lima fand eine Massenkundgebung zur Unterstützung der Bewegung statt. Obwohl die Mehrheit der Medien, als auch die Sprecher der Regierung, den Marsch verteufelten oder ignorierten, so steht doch fest, dass die Mobilisierung der Menschen „ das Thema Wasser auf die Agenda der Diskussionen gesetzt hat, was wichtig für jede Strategie nachhaltiger Entwicklung ist“, sagte José de Echave, Mitglied der Nichtregierungs-Organisation „CooperAccion“ (www.cooperaccion.org.pe), welche die Bergbauindustrie beobachtet.


Der Präsident der Regionalregierung von Cajamarca, Gregorio Santos, seinerseits erklärte, dass der Marsch das angestrebte Ziel erreicht habe, die nationale öffentliche Meinung für die Bedeutung zu sensibilisieren, die der Schutz der Wasservorkommen vor deren Raub durch die Bergbauaktivitäten hat.


Santos bezog sich speziell auf das Projekt „Conga“, einem 4,8 Milliarden US-Dollar schweren Vorhaben zur Ausbeutung von Gold- und Kupfervorkommen, die sich unter vier im südöstlichen Teil von Cajamarca gelegenen Bergseen befinden. Das Projekt soll von dem im Eigentum des US-amerikanischen Unternehmens Newmont Mining, der peruanischen Gesellschaft Buenaventura und der Internationalen Finanzierungs- Gesellschaft (einer Tochter der Weltbank) befindlichen Minenbetrieb Yanacocha durchgeführt werden.


Die Bevölkerung von Cajamarca hat sich hartnäckig dem Projekt widersetzt, das sich in einem Wassereinzugsgebiet befindet und bei dem beabsichtigt ist, das Wasser der vier betroffenen Bergseen in künstliche Wasserreservoirs zu verlagern.

Eine im vergangenen November vom Umweltministerium durchgeführte Studie zu den Umweltauswirkungen des Projektes Conga deckte verschiedene Lücken auf. Unter anderem das Fehlen hydrologischer Untersuchungen, unverzichtbar für das Verständnis der Funktion von Bergseen, sowie die Bewertung des Umweltnutzens, welchen diese Öko-Systeme stiften. Die Masseproteste gegen das Projekt Conga in Cajamarca und dessen engstirnige Verteidigung durch Präsident Ollanta Humala – im Gegensatz zu seiner im Wahlkampf vertretenen Position, wo er die Verteidigung des Wassers an die erste Stelle setzte – lösten zu Beginn des vergangenen Dezember den Rücktritt des Kabinetts aus.


Das Projekt Conga, das gegenwärtig so lange ruht, bis das die vom Staat beauftragten drei ausländischen Sachverständigen Maßnahmen finden und vorschlagen, die zu einer Verbesserung der in der Studie aufgeführten Umweltschutzmöglichkeiten beitragen, „ wird in die Geschichte als erster Fall eines Bergbaukonfliktes in Peru und Lateinamerika eingehen, der ein Kabinett stürzte und eine Kehrtwendung in der politischen Orientierung der Regierung bedeutete,“ präzisierte José de Echave.   - Noticias Aliadas .

 

 s. Termine & Aktuelles

 

 

Übersetzung: Herbert Löhr, 05.03.2012
                    Partnerschaftsverein
                    Villa El Salvador-Tübingen e.V.



Tintaya



Mitarbeiter der Vicaría von Sicuani

sind freigelassen worden.

 

 

 

 

 

Bild: Vicaría von Sicuani

Medienbericht MultiWatch Schweiz
Bericht zu den sozialen Konflikten um die Mine Tintaya
des Schweizer Unternehmens Xstrata.
Medienmitteilung von MultiWatch.pdf
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Erklärung der Prälatur von Sicuani
Prälatur von Sicuani.pdf
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ai-Aktion im Bergbaukonflikt
ai-Aktion für die Freilassung des Bürgermeisters
Oscar Mollohuanca
ai Aktion.pdf
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