Die Geschichte von Villa El Salvador

 

 

„Villa El Salvador wurde auf eine besondere Weise geboren. Von Anbeginn wurde es als eine für die Zukunft geplante Ortschaft betrachtet. Ich erinnere mich noch an jenen Satz, der das Rathaus beherrschte: „Weil wir nichts besitzen, müssen wir gemeinsam alles selbst machen“. Dies und das Bewusstsein Beteiligte an der Errichtung einer Stadt zu sein, waren Teil dieser Utopie.“

 

Michel Azcueta, erster Bürgermeister von Villa El Salvador

 

 

Im Mai 1971 wurde Villa El Salvador in der „Tablada von Lurin“ gegründet und war für 12 Jahre Teil des Bezirkes Villa Maria del Triunfo. Die neuen Siedler hatten einige Tage vorher die Zone Pamplona besetzt und mussten daraufhin polizeiliche Repressionen erleiden. Dabei wurden dutzende von Menschen verletzt, der junge Edilberto Ramos starb an einer Schusswunde.

 

Der Bischof Monseñor Bambarén solidarisierte sich mit den Besitzlosen, denn die Kirche der Befreiung stellte sich an die Seite der Armen. Der Innenminister der damaligen Militärregierung Velasco ließ den Bischof verhaften und beschuldigte ihn, ein Agitator im Priesterkleid zu sein. Auf Grund von Protesten tauschte Velasco den Minister aus.

 

Man kam zu einem Abkommen mit den Anführern der Landbesetzer, die damit einverstanden waren, in das Gebiet der Tablada von Laurin umgesiedelt zu werden. Die neuen Siedler fanden sich in einer Wüste wieder, in der es absolut nichts gab.

 

Aber es gab eine Planung. Villa El Salvador war von Anfang an als Modell einer selbstverwalteten Stadt geplant. Die Grundlage dieses städtischen und sozialen Plans war die „Wohngebietsgruppe“.

 

Die Wohngebietsgruppen waren als kleine städtische Gemeinschaften konzipiert, die zwei Arten von Eigentum miteinander vereinten: die Familie mit ihrem Grundstück und der kommunale Grund und Boden des so genannten „Zentral-Parks“.

 

Die Wohngebietsgruppen verfügen über 16 Wohnviertel (Manzanas), die um den Zentral-Park herum angeordnet sind. Eine Manzana ist in 24 Parzellen (Lotes) aufgeteilt, von denen jede einer Familie zugeordnet ist. So leben in jeder Wohngebietsgruppe 384 Familien. Jeder Sektor bestand anfänglich aus 30 Wohngebietsgruppen. Die ältesten Sektoren von Villa El Salvador sind der erste, zweite und dritte Sektor. Gegenwärtig setzt sich Villa El Salvador aus neun Sektoren zusammen.

 

Jede Wohngebietsgruppe baute Sportanlagen, eine Bibliothek, einen Vorschulkindergarten, einen Gesundheitsposten, einen Versammlungsraum. Die räumliche Aufteilung und nachbarschaftliche Organisation erfolgten Hand in Hand. So wählte man auf der organisatorischen Ebene für das Gebiet von jeweils einem Wohnviertel beispielsweise Vertreter für den Bereich Gesundheit, Erziehung, Sport, Verantwortliche für die Wasserversorgung, Elektrizität, usw. Aus den Reihen dieser Verantwortlichen wählte man Vertreter der Wohngebietsgruppen und aus diesen die Vertreter der Sektoren. Im Juli 1973 führte man die erste Volksversammlung durch, auf der sich die „Selbstverwaltete Stadtgemeinschaft von Villa El Salvador“ (CUAVES, Comunidad Urbana Autogestionaria de Villa El Salvador) gründete. An dieser Versammlung nahmen mehr als 2.700 Delegierte teil.

 

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die aus den Anden stammenden Zuwanderer sehr gut mit den bäuerlichen Organisationsformen vertraut waren und deshalb auch nach Villa El Salvador zwei Grundprinzipien mitbrachten, das der Solidarität und das der gegenseitigen Hilfe.

 

Villa El Salvador wurde von Anbeginn so geplant, dass die Stadt sich in ein Wohngebiet, eine Industriezone und eine landwirtschaftliche Zone, die ursprünglich als forstliches Gebiet gedacht war, aufteilte. Es bestanden auch Innenbereiche für Schulen und Märkte.

 

Seit der Gründung war für die Bewohner Bildung vorrangig. Man gründete 12 Schulkomitees und begann mit dem Bau von Schulen, damit die Kinder kein Schuljahr verlieren sollten. So wurde auch die Schule Fe y Alegría gegründet, die als Lehrer Absolventen der Katholischen Universität hatte, und die gemeinsam mit Michel Azcueta versuchten, mit einer an Paulo Freire angelehnten neue Erziehungsmethode junge, kritische Menschen heranzubilden, die sich der Schaffung einer neuen Gesellschaft verpflichtet fühlen.

 

Im Jahre 1972 hatte Villa El Salvador 73.203 Einwohner. Bis 1973 war diese Zahl auf mehr als 100.000 angewachsen, und heute, 2013, ist Villa El Salvador von mehr als 400.000 Menschen bevölkert.





Maria Elena Moyano



 

 

Maria Elena Moyano ist für unsere Partnerstadt Villa El Salvador und für ganz Peru ein wichtiges Symbol für die Frauen, für mutige Frauen, die für Frieden und soziale Gerechtigkeit kämpfen.

Maria Elena Moyano, stellvertretende Bürgermeisterin von Villa El Salvador, wurde vor 21 Jahren, am 15. Februar 1992, durch ein zehnköpfiges Terrorkommando des Leuchtenden Pfades (Sendero Luminoso) brutal umgebracht.

 



 



Flyer zu dem Film "Coraje" von Alberto Chicho Durand,1998
In dieser Ankündigung zu dem vorgenannten Film finden Sie eine kurze Darstellung über das Leben und den Kampf von Maria Elena Moyano für soziale Gerechtigkeit und ihre Bedeutung für Tübingen.
Flyer zu Film Coraje.pdf
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